Forum Sonderheft 1 / 2007
Inhalt
| THEO KOTIER Sozialgerechte Bodennutzung durch kommunale Baulandmodelle? |
6 |
| ANDREAS HAUPT UND REMO LASCHET Städtebauliche Verträge in der Baulandentwicklung |
13 |
| RUDOLF SPITTHÖVER UND EKKEHARD JUNGEMANN Geschäftsstelle ÖbVI |
20 |
| BIANKA BÄUMER Städtebauliche Umlegung in Erfstadt |
24 |
| HANS JOACHIM LINKE UND JÜRGEN WITTIG Wegfall der bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Teilungsgenehmigung Auswirkungen auf den Grundstücksverkehr |
29 |
| GERHARD BOEDDINGHAUS Verzicht auf Abstandsflächen bei Grenzanbau |
35 |
| JÜRGEN BACHMANN, DR. ANDREAS DREES, GUNTER LENCER Ländliche Regionalentwicklung mit Hilfe von Privat-Public-Partnership (PPP) im Freistaat Thüringen |
43 |
| HANS ULRICH ESCH Gegen eine administrative Automatik |
48 |
Gemeinschaftsaufgabe Flächenmanagement
Liebe Leserin, lieber Leser,
dem Flächenmanagement fühlen sich sowohl die Herausgeber des BDVI-Forum als auch die der Zeitschrift „Flächenmanagement und Bodenordnung" in gleicherweise verbunden. Dieses gemeinsame Sonderheft dokumentiert daher das gemeinschaftliche Interesse, einen Beitrag zu den aktuellen Aufgaben und zukünftigen Herausforderungen von Flächenmanagement und Bodenordnung zu leisten. Es widmet sich ausgewählten Themen- und Problemfeldern aus den Blickwinkeln von Praxis und Wissenschaft. Eine solche Zusammenschau liegt schon deswegen nahe, weil es sich beim Flächenmanagement um eine Erfahrungswissenschaft handelt, deren methodische Weiterentwicklungen stets in engem Kontakt mit den Anforderungen der Praxis erfolgen müssen.
Eine solche Weiterentwicklung ist wohl angesichts der veränderten Rahmenbedingungen und des tief greifenden Wertewandels in der Gesellschaft dringend geboten; denn gerade Flächenmanagement und Bodenordnung können einen essentiellen Beitrag zur Bewältigung der neuen Herausforderungen leisten, die sich aus dem demografische Wandel und der politischen Forderung nach einer drastischen Reduzierung der Flächeninspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke bis 2020 auf 30 ha/Jahr leisten. Eine intelligente Flächennutzung steht daher im Fokus, die an den drei fundamentalen und nicht substituierbaren Funktionen des Bodens ansetzen muss: Boden erfüllt zunächst als natürliche Ressource unverzichtbare Funktionen im Ökosystem. Darüber hinaus dient der Boden als Fläche städtebaulichen Funktionen und übernimmt wichtige Standortaufgaben z.B. für Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Erholung etc. und hat diesbezüglich vor allem soziale Aufgaben zu übernehmen. Schließlich ist der Boden als Standort nicht nur ein klassischer Produktionsfaktor, sondern hat sich darüber hinaus längst zu einem Wirtschaftsgut entwickelt. Das Flächenmanagement hat daher wirksamere Strategien und Instrumente zu entwickeln und zielorientiert einzusetzen, um bei einem anhaltend hohen Bedarf an Flächen für städtebauliche Nutzungen und Infrastruktur zum einen den Freiraumverbrauch zu verringern und zum anderen ökonomisch tragbare, sozial gerechte und ökologisch vertretbaren Nutzungen des Grund und Bodens zu verwirklichen. In diesen Zusammenhang sind auch die nachfolgenden Beiträge zu den unterschiedlichen bodenpolitischen Instrumentarien einzuordnen. Sie zeigen deutlich die Vielschichtigkeit dieser Thematik, Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.
Mit herzlichen Grüßen
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter
Praktiker zu Besuch bei Vordenkern
Am Anfang ein Dankeschön. Für die Einladung der themenkundigen Professorenriege an die Vermessungspraktiker, sich gemeinsam zum Thema Flächenmanagement und Bodenordnung zu äußern. Für die Einladung, publikationsübergreifend ein gesellschaftlich relevantes Themenfeld zu beschreiben.
Die Vermutung, dass die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure über Erfahrungen in der Nutzbarmachung von Grundstücken verfügen, liegt nahe, ist ihnen doch im Rahmen der Beleihung nicht nur die Eigentumssicherung von Grundstücken anvertraut, sondern zugleich die Mitwirkung an deren Veränderungen. Die Beiträge dieses Heftes legen den Schwerpunkt auf die Veränderungen der Nutzbarkeit und zeigen zugleich, dass sich die Aufgaben und Erwartungen der Gesellschaft verändert haben. Wird Bodenordnung vielerorts noch expansiv im Rahmen von Baulandgewinnung betrieben, muss Bodenordnung in anderen Regionen schon in den Dienst einer Stadt- und Landerneuerung gestellt werden. Flächenmanagement meint also heute nicht mehr nur die Entwicklung von Bauland, sondern auch die Revitalisierung von Flächen mit gestörter Nutzung. Es darf durchaus selbstbe-wusst festgestellt werden, dass die im Vermessungsberuf erlernten und praktizierten Fähigkeiten jeder Flächenentwicklung Stabilität verleihen. Es wird nicht verwundern, wenn Frei berufler die freiwilligen Formen der Bodenordnung bevorzugen. Trotz aller Realisierungsschwierigkeiten in einer individualistisch geprägten Gesellschaft sehen sich die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure im Trend der politischen Absichten, konsensuale vor administrative Regelungen zu stellen. Wir haben schon in einem FORUM-Sonderheft zum Stadtumbau deutlich gemacht, dass sich die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure stärker in die Prozesse zur Veränderung der Grundstücke „einmischen" sollten. Wer verfügt über die aktuellen Grundstücksdaten? Wer ist mit dem örtlichen Grundstücks-, Planungs- und Baurecht vertraut? Wer weiß um die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen -wenn nicht ...
Einige Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure zeigen in diesem Heft, dass sie ihre Beleihung durchaus als Auftrag zu einer aktiven Mitgestaltung der Entwicklung von Stadt- und Landflächen verstehen. Dass sie dies in einem Gemeinschaftsheft mit Kollegen tun, die Flächenmanagement und Bodenordnung gewissermaßen vordenkend und weg begleitend strukturieren, ist vielleicht auch ein Stück gegenseitiger Anerkennung.
Auf diesem Weg kann man fortschreiten. Wenn wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch diesen Eindruck vermitteln, war das Vorhaben FuB- und FORUM-Sonderheft erfolgreich.
Dr.-Ing. Walter Schwenk





