Vermessen als Lebenskunst


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Rund 300 Geomatiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben in Bad Ragaz getagt. Im Blickpunkt der nur alle zehn Jahre stattfindenden Konferenz standen das Berufsprofil und neue EDV-Systeme.

Wer hat das nicht schon erlebt: Da wird eine neue Strasse eingeweiht, ein Hochhaus übergeben oder ein Golfplatz und der Dank richtet sich an Architekten, Bauleute und Finanziers. Nur an die Vermesser denkt keiner. Dabei wäre ohne die gar nichts gegangen. Für alles, was mit Grund und Boden zu tun hat, braucht es die milimetergenau arbeitenden Geo-Ingenieure. Und zwar nicht nur fürs blosse Messen, sondern auch fürs Managen, Planen und Prüfen.

Professor Holger Magel von der Universität München mahnte die in Bad Ragaz versammelten Vermessungsingenieure denn auch, sich als «sattelfest spezialisierte Generallisten» zu verstehen. Nicht hochgezüchtetes Spezialwissen sei heute gefragt, sondern umfassende Kompetenz in Fragen des Bodenmanagements, der Infrastrukturplanung und bei Umweltaspekten. Und deren Vermittlung an die Politik: «Nichts ist so langweilig, wie technische Sprache.»

Einst priesterlich

Der Berufsstand, der in den priesterlichen Landvermessern des antiken Ägyptens seine Vorbilder habe, verkaufe sich heute unter Wert und gelte bei vielen Studenten daher als zweite Wahl. Dies auch deshalb, weil ihm noch immer das Odium des Amtlichen anhänge. «Doch der hoheitliche Sektor, die amtliche Vermessung, sichert das Überleben nicht,» hielt der Präsident des Internationalen Geomatikverbandes FIG fest.

Vielmehr sollten die Messexperten kompetente Partner der Raumplanung werden. Das Rüstzeug dazu hätten sie. Im Wettbewerb käme es darauf an, neue Zuständigkeitsfelder zu beanspruchen, die «Heimat proaktiv mitzugestalten» und dabei die «Spannung zwischen Wollen und Sollen» auszuhalten. Magel beinahe philosophisch: «Nachhaltige, Lebenskunst ist die beste Grundlage für eine nachhaltige Gestaltung der Lebensräume.» Dies werte er als eigentliches Ziel geomatischer Arbeit.

Materielle Werte

Erich Gubler, der Direktor des Bundesamtes für Landestopografie, betonte dagegen den hohen materiellen Wert allein jener Geobasisdaten, die von Rechts wegen erhoben würden. Er betrüge gegen fünf Milliarden Franken: «Diesen Schatz gilt es zu nutzen.» In der Praxis geschehe dies heute vielfach bereits durch Webdienste, in denen die Daten visualisiert aufbereitet und leicht zugänglich seien. So sei inzwischen etwa der Unterhaltsperimeter des Nationalstrassennetzes als Pilotprojekt online zugänglich. Ein weiteres Projekt stelle der Geodatenpark Bodensee dar, mit dem erstmals grenzüberschreitend die Landschaft in einer einzigen Perspektive und aufgrund eines einheitlichen Datennetzes dargestellt werde.

Regierungsratspräsident Josef Keller, dem zugleich das kantonale Vermessungsamt untersteht, hob die hohe Autorität und Integrität hervor, die Landvermessern von alters her eigen sind. Mit Blick auf die grösste Schweizerische Melioration, die Rheinregulierung Ende des 19. Jahrhunders, befand er, diese sei ein eindrücklicher Beleg für eine erfolgreiche Siedlungsund Entwicklungsgeschichte in der Region. Darum freue er sich, die Geomatiker gerade in Bad Ragaz begrüssen zu dürfen - «dem Flaggschiff des kantonalen Tourismus.»

Bad Ragaz nutzt Geodäten

Diesen Ball griff Geburtstagskind und Gemeindepräsident Guido Germann gerne auf: Er lobte die landschaftlich und kulturelle Stärken seiner Gemeinde und lud die Ingenieure ein, sie während der viertägigen Konferenz auch in Anspruch zu nehmen. Ausserdem liess er durchblicken, dass er selbst ein grosser Fan des «GIS» sei, eines geografischen Informationssystems, welches er jeden Morgen immer gleich als erstes auf seinem PC einschalte, um bezüglich aktueller Grund- und Bodendaten immer auf dem Laufenden zu sein. Das GIS von Bad Ragaz wurde entwickelt vom Sarganser Vermessungsbüro Kreis, dessen Chef Matthias Kreis auch als OK-Präsident der Dreiländertagung fungierte.

Moderne Technik

Am Rande Tagung gab es einen Markt der Möglichkeiten, auf dem rund 20 Firmen neueste Produkte für den geomatischen Alltag präsentierten. Gezeigt wurde unter anderen der «Cadastre 2014», welcher Karte und Grundbuch verbindet und alle Eigentumsbeschränkungen eines Grundstücks lückenlos elektronisch umfasst. Der Zugriff erfolgt online. Zu sehen waren aber auch Klassiker wie Fernrohr und Spiegel, auch sie inzwischen gespickt mit Elektronik. So konnte man etwa einen «Superstab» bestaunen, der auch dann seinen Zustand als vertikal berechnet, wenn er schräg gehalten wird. Eine GPS-Ortung in der Stabspitze und Schwerkraftsensoren bringen das Rechenkunststück gemeinsam fertig.

Auf dem Begleitprogramm der Tagung standen neben einem Besuch der Leica-Werke in Heerbrugg, bekannte Attraktionen der Region wie eine Schifffahrt auf dem Walensee, Versuchsstollen Hagerbach, Pinakothek und Ausflüge nach Appenzell sowie St. Gallen.

Quelle: Saganserländer, 23.05.2005

 

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